Predigt von Michael Görg, Diakon und Betriebsseelsorger, Gottesdienst zum Tag der Arbeit, 25.04.2021

Liebe Freunde der KAB

Heute hatten wir den Gottesdienst zum Tag der Arbeit mit dem Betriebsseelsorger Michael Görg.
Bei der Übertragung des Gottesdienstes lief nicht alles wie geplant und Teile der Predigt wurden nicht übertragen.

Wir versuchen aus den Daten der Kamera dies wiederherzustellen und dann ins Netz zu stellen. Hierfür entschuldigen wir uns.

Der wiederhergestellte digitale Gottesdienst ist jetzt unter https://youtu.be/ztjqMuzQu24  im Internet abrufbar.

Unten ist nun die Predigt von Michael Görg, so dass man diese im Originaltext lesen kann. Sie ist es wert, da sie zentrale Themen zur Arbeit in den heuteigen Tagen anspricht.

Einladen möchten wir alle, die Interesse daran  haben, sich mit Michael Görg auszutauschen.

Wir veranstalten am Mittwochabend, 28.04.2021 19:30 Uhr eine Zoomkonferenz wo wir mit Michael über seine Gedanken und seine Arbeit diskutieren können.

Alle die daran Interessiert sind melden sich bitte bei mir per email: rweisshar@t-online.de Gerne schicke ich dann den Interessierten den Link zur Veranstaltung zu. Ich bin überzeugt dass wir so eine tolle Fragerunde hinbekommen.

Zur Teilnahme wird nur ein Browser auf einem Computer ( mit Micro und vielleicht Kamera sowohl mit Lautsprecher benötigt. Auch mit einem internetfähigen Smartphone ist eine Teilnahme möglich

25. Apr 2021 KAB Remshalden

Predigt von Diakon und Betriebsseelsorger Michael Görg
LESUNG Apg 4,8-12 EVANGELIUM Joh 10,11-18

Der hat aber ordentlich Mumm, so mutig zu reden. Hierbei meine ich Petrus aus der
Lesung eben. Dabei ist er am Abend vorher von den Priestern und der Tempelwache
eingesperrt worden und musste die Nacht im Gefängnis verbringen. Er hatte den
Menschen von Jesus und der Hoffnung auf Auferstehung von den Toten erzählt. Ich
kann mir vorstellen, dass man nach so einer Nacht eher etwas kleinlaut wird. Jetzt wird
er verhört und redet mutig Klartext mit den Mächtigen seiner Zeit.
Aber .. Moment, Petrus, das war doch der, der bei der Festnahme Jesu seinen Meister
mehrfach verleugnet hatte, um nicht auch gefangen genommen zu werden. Jesus hat
in ihm aber schon damals mehr Potential gesehen. „Du bist Petrus der Fels, auf diesen
Felsen werde ich meine Kirche bauen“ (Mt 16,16). Da hatte Jesus so manchem
Personaler und Manager einiges voraus, in dem einstigen Feigling ein solches Talent
zu entdecken. Wenn Petrus jetzt für die Sache Jesu spricht, kann er sich allerdings
auch darauf verlassen, dass der Heilige Geist mitwirkt. Den Mut Klartext zu reden muss
er aber erst einmal selbst aufbringen. Sicher kennt der eine oder andere von ihnen
eine solche Situation, in der man all seinen Mut zusammenfassen muss, um den ersten
Schritt zu tun. Besonders in diesem Fall, wo er dafür spricht, sich für die
hilfsbedürftigen Menschen einzusetzen. Damit wird Petrus auch zu einem echten
Anführer der jungen Kirche Jesu, ein Hirte, der mit vollem Einsatz für die Sache Jesu
und einer Hoffnung für die Menschen eintritt.
Wo sind denn die Hirten unserer Zeit? – Heute im Gottesdienst zum Tag der Arbeit
denke ich da natürlich an die Manager der Betriebe und an die Politiker, die die
Bedingungen unserer Arbeitswelt in Gesetzen vorlegen, und sich um das Wohl der
Bevölkerung sorgen sollten.
Zu diesem Engagement der Politiker fällt mir ein Artikel ein, den ich vor wenigen Tagen
in der Stuttgarter Zeitung gelesen habe. Da hat ein Politiker, der jetzt eben nicht
Kanzlerkandidat geworden ist, von seinem angeknacksten Ego und dem Knick in
seiner Karriere erzählt. Von seiner möglichen Verantwortung für die Menschen dieses
Landes habe ich da nichts gelesen. Genauso erinnere ich mich an die Politiker, die
über „Connections“ aus dem Handel mit Corona-Schutzmasken ihren persönlichen
Profit gezogen haben, wo auf dieser Welt gerade Menschen in großer Sorge um
Gesundheit und ihre Existenz sind. Das erinnert mich eher an die bezahlten Knechte
eben aus dem Evangelium. Ihnen liegt nichts am Wohl der Herde, sie wollen ihren
persönlichen Profit.
Auch die politischen Entscheidungen zur Struktur und Bezahlung der
Pflegeeinrichtungen scheinen nicht am Wohl der Menschen auszurichtet zu sein. Die
Krankenhäuser sind in einen desaströsen Wettbewerb geschickt worden, unter dem
die Menschen leiden. Die Mitarbeiter in der Pflege erleben unhaltbare
Arbeitsbedingungen und sehen oft keinen anderen Ausweg, als eine Arbeit außerhalb
ihres einstigen Wunschberufs – der Pflege – anzunehmen. Den Patienten geht es in 2
einem solchen System nicht viel besser. Dass in privatisierten Kranken- und
Pflegeeinrichtungen das Augenmerk oft auf Kapitalerträgen liegt und die Gelder aus
Kranken- und Pflegeversicherung für einige wenige reiche Investoren als Kapitalertrag
zweckentfremdend wird kommt noch dazu. Hier sollte in der Gesundheitspolitik
vielmehr die Sorge um die Schafe im Vordergrund stehen und nicht eine einseitige
Ausrichtung auf Wirtschaftsinteressen. Dadurch zeichnet sich ein guter Hirte aus.
In der Wirtschaft sieht das Bild leider oft nicht viel anders aus. Besonders schockiert
hat mich, dass ein großer Autobauer im Südwesten trotz Milliardengewinnen im letzten
Jahr Kurzarbeitergeld eingestrichen hat und damit eine höhere Dividende an die
Aktieneigner ausgezahlt hat als erwartet. Auch hier haben wieder die wenigen reichen
Investoren dieser Welt profitiert. Dabei kämpfen andere – oft kleinere – Betriebe in
diesen Zeiten um ihr Überleben. Sie hätten dieses Kurzarbeitergeld gut gebrauchen
können, um für ihre Beschäftigten die Existenz zu sichern. Zusätzlich wurde bei diesem
Autobauer trotz hoher Gewinne auch noch ein geplanter Stellenabbau mit all den
Unsicherheiten für die Beschäftigten ins Spiel gebracht.
Als guter Hirte würde man sich hier besser um seine Schafe kümmern. Wer ein
Unternehmen führt und Beschäftige anstellt, der übernimmt auch die soziale
Verantwortung für diese Menschen. Das muss dann ja gar nicht bis zum Letzten
gehen, so wie Jesus sein Leben für seine Schafe gegeben hat. Statt millionenschwere
Managementgehälter einzustreichen würde ein guter Hirte die Jobs seiner
Angestellten sichern. Er würde Bedingungen schaffen, unter denen die Menschen
gerne und gesund auch noch die nächsten Jahre arbeiten können. Dank dem Einsatz
von Betriebsrat, Gewerkschaft und den Mitarbeitern konnte für den eben genannten
Automobilbauer letztendlich noch ein Zukunftskonzept erreicht werden, das für den
Betrieb und die Beschäftigten die Existenz in den nächsten Jahren sicherstellt.
Dieses Jahr ist Bundestagswahl. Für uns ist das eine gute Gelegenheit, genau
hinzuschauen, was denn die Motivation der Politiker ist, denen wir unsere Stimme
geben. Ob sie wirklich die guten Hirten sind, die wir brauchen.
Genauso sind wir aufgerufen, wie Petrus, mutig auf die Missstände rund um die
Arbeitswelt hinzuweisen. Das tun KAB und Betriebsseelsorge schon heute. Wir
werden auch in Zukunft für eine menschenwürdige Arbeit eintreten. In dieser Sache
Jesu können wir darauf hoffen, dass Gottes Geist uns unterstützt. Mutig den Mund
aufmachen müssen wir aber erst einmal selbst. Amen.

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